100.000 Mitglieder, Olympiade und Stadtmeisterschaft
Stand: 8. September 2026
Der Schachsommer ist vorbei, jetzt wird es ernst auf den Brettern. Der Deutsche Schachbund hat erstmals die Marke von 100.000 Mitgliedern überschritten, in wenigen Tagen beginnt in Usbekistan die Schacholympiade, die Mannschaftssaison nimmt Fahrt auf und in Südwestfalen reiht sich ein Turnier an das nächste. Für Lüdenscheid wartet am Monatsende der eigene Höhepunkt: die Offene Stadtmeisterschaft in der Phänomenta.
Deutschland: Mehr als 100.000 Menschen im Schachbund
Zum 1. September meldete der Deutsche Schachbund eine bemerkenswerte Zahl: Erstmals gehören mehr als 100.000 Mitglieder den deutschen Schachvereinen an. Jubiläumsmitglied Nummer 100.000 ist der 18-jährige Jerome Lorenz vom SV Dinslaken.
Sein Weg zum Verein erzählt dabei fast ebenso viel wie die Zahl selbst. Lorenz spielte zunächst online und möchte nun auch Turnierschach am echten Brett erleben. Genau diese Bewegung ist derzeit vielerorts zu beobachten: Das Internet hat Schach sichtbarer und leichter zugänglich gemacht. Der Verein bietet anschließend etwas, das kein Bildschirm ersetzen kann: einen Gegner gegenüber, Mannschaften, Turniere und Menschen, die dieselbe Begeisterung teilen.
Zum Stichtag 31. August zählte der DSB bereits 100.088 Mitglieder. Die Marke von 100.000 ist also weniger eine Ziellinie als eine Zwischenstation.
International: Die Schachwelt trifft sich in Samarkand
Vom 15. bis 27. September wird Samarkand in Usbekistan zum Mittelpunkt der Schachwelt. Bei der 46. FIDE-Schacholympiade treten Nationalmannschaften aus aller Welt im offenen Turnier und im Frauenturnier gegeneinander an.
Gespielt werden elf Runden nach Schweizer System. Eine Mannschaft besteht aus vier Spielern beziehungsweise Spielerinnen am Brett und einer Ersatzperson. Bei der vergangenen Olympiade 2024 in Budapest waren bereits 193 Teams im offenen Wettbewerb und 181 Frauenteams vertreten. Für Samarkand wird erneut mit einem riesigen internationalen Teilnehmerfeld gerechnet.
Für Deutschland geht im offenen Turnier eine ausgesprochen starke Mannschaft an den Start. Angeführt wird sie von Vincent Keymer und Matthias Blübaum. Zum Team gehören außerdem Frederik Svane, Alexander Donchenko und Rasmus Svane.
Deutsche Frauen: Mit Wagner, Pähtz und Schneider zur Olympiade
Auch die deutsche Frauenmannschaft fährt mit großen Ambitionen nach Usbekistan. Nominiert sind Dinara Wagner, Elisabeth Pähtz, Hanna Marie Klek, Lara Schulze und Jana Schneider.
Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr von Elisabeth Pähtz in die Nationalmannschaft. Nach der Geburt ihrer Tochter im Frühjahr kehrt die erfolgreichste deutsche Spielerin bereits bei der Olympiade auf die große internationale Bühne zurück.
Jana Schneider reist zudem als amtierende Deutsche Meisterin nach Samarkand. Damit verbindet die Mannschaft Erfahrung mit Spielerinnen, die zuletzt im deutschen Spitzenschach besonders auf sich aufmerksam gemacht haben. Nach der Bronzemedaille bei der Mannschafts-Europameisterschaft 2025 darf man gespannt sein, was das deutsche Team diesmal erreicht.
Schach für alle: Rekord bei der Olympiade für Menschen mit Behinderungen
Noch vor der großen Schacholympiade beginnt in Samarkand vom 10. bis 17. September die dritte FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderungen.
40 Mannschaften haben gemeldet. Das ist ein neuer Teilnehmerrekord. Bei der ersten Austragung 2023 waren es noch 26 Teams. Gespielt wird über sieben Runden. In jeder Mannschaft müssen Spieler unterschiedlicher Geschlechter eingesetzt werden.
Dass beide Olympiaden diesmal am selben Ort und zeitlich unmittelbar miteinander verbunden stattfinden, ist ein starkes Zeichen: Schach kann Leistungssport sein, ohne Menschen aufgrund körperlicher Voraussetzungen vom Wettbewerb auszuschließen.
NRW: Die Turniersaison läuft wieder
Auch Nordrhein-Westfalen ist aus der Sommerpause zurück. Schon das erste Septemberwochenende war dicht gefüllt. In Schalksmühle wurde das 16. Volme Open gespielt, in Raesfeld das internationale Schnellschachturnier „Wappen von Raesfeld“, und in Mülheim läuft Anfang September ein mehrtägiges Turnierformat.
Im weiteren Monatsverlauf folgen unter anderem Jugendturniere und offene Wettbewerbe. Am letzten Septemberwochenende wird in Oer-Erkenschwick außerdem die Offene NRW-Senioren-Schnellschach-Einzelmeisterschaft ausgetragen.
Der Kalender zeigt dabei eine Stärke des Vereinsschachs, die manchmal etwas untergeht: Zwischen Bundesliga und Weltmeisterschaft existiert ein dichtes Netz aus offenen Turnieren, Jugendwettbewerben, Stadtmeisterschaften und kleinen Vereinsveranstaltungen. Dort findet der größte Teil des Schachs tatsächlich statt.
Südwestfalen: 70 Spieler beim Volme Open
Wie groß die Nachfrage auch direkt vor unserer Haustür ist, zeigte das 16. Volme Open in Schalksmühle. Das Turnier war bereits einen Monat vorher mit 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vollständig ausgebucht. Der Veranstalter meldete damit einen neuen Teilnehmerrekord.
Gespielt wurde nicht in einer großen Gruppe, sondern in Sechsergruppen mit möglichst ähnlicher Spielstärke. Dadurch treffen nicht nur die stärksten Spieler auf passende Gegner. Auch weniger erfahrene Vereinsspieler bekommen fünf ernsthafte Turnierpartien auf Augenhöhe.
Für Südwestfalen beginnt zugleich wieder der Mannschaftsspielbetrieb. Mannschaften sind gemeldet, Aufstellungen stehen und die ersten Spieltage der Saison 2026/27 rücken näher. Aus dem sommerlichen Einzelspiel wird wieder Mannschaftsschach.
Lüdenscheid: Drei Tage Stadtmeisterschaft in der Phänomenta
Zum Abschluss des Monats richtet sich der Blick nach Lüdenscheid. Vom 25. bis 27. September 2026 veranstaltet Schach Lüdenscheid e.V. die Offene Lüdenscheider Stadtmeisterschaft in der Phänomenta.
Gespielt werden fünf Runden Schweizer System mit klassischer Bedenkzeit und DWZ-Auswertung. Das Turnier ist ausdrücklich nicht nur für erfahrene Vereinsspieler gedacht. Vereins-, Turnier- und Hobbyspielerinnen und -spieler können teilnehmen.
Der Stadtmeistertitel selbst bleibt mit Lüdenscheid verbunden: Stadtmeister oder Stadtmeisterin kann werden, wer in Lüdenscheid wohnt oder Mitglied bei Schach Lüdenscheid ist. Für alle anderen bleiben Turnier und Preise offen.
Damit schließt sich im September ein schöner Kreis. In Samarkand sitzen die Besten der Welt für ihre Länder am Brett. In Deutschland wächst der Schachbund über die Marke von 100.000 Mitgliedern. Und in Lüdenscheid genügt am Ende ein ganz einfacher Schritt, um Teil davon zu werden: sich hinsetzen und die erste Figur ziehen.
Du musst kein Meister sein, um ein Turnier zu spielen. Du musst nur den ersten Zug machen.
Quellen und weiterführende Informationen
- FIDE – Schacholympiade 2026 in Samarkand
- FIDE – Olympiade für Menschen mit Behinderungen 2026
- Deutscher Schachbund – Mitgliederentwicklung und Nationalmannschaften
- Deutscher Schachbund – Turnierdatenbank Nordrhein-Westfalen
- Schachverband Südwestfalen
- Schach Lüdenscheid e.V. – Stadtmeisterschaft 2026
Stand: 1. Juli 2026
Im Schach ist gerade viel Bewegung auf dem Brett. International sorgen junge Spielerinnen für Ausrufezeichen, in Deutschland wird das Mädchen- und Frauenschach gezielt gefördert, NRW zeigt Breite und Stärke, und auch für Südwestfalen sowie Lüdenscheid ergeben sich daraus klare Impulse: mehr Mädchen ans Brett, mehr Sichtbarkeit, mehr Zutrauen.
International: Junge Spielerinnen mischen die Spitze auf
Ein starkes Signal kam aus dem internationalen Frauenschach: Vaishali Rameshbabu gewann das FIDE Women’s Candidates Tournament 2026 und wird Weltmeisterin Ju Wenjun im nächsten WM-Kampf herausfordern. Damit steht das Frauenschach erneut im Rampenlicht der Weltspitze.
Noch spektakulärer wirkte der Erfolg von Anastasiia Hnatyshyn. Die erst 15-jährige Ukrainerin gewann die Europameisterschaft der Frauen 2026 in Batumi. Sie holte 9 Punkte aus 11 Runden, gewann den Titel als Außenseiterin und qualifizierte sich zugleich für den nächsten FIDE Women’s World Cup.
Deutschland: Förderung wird konkreter
In Deutschland arbeiten Deutscher Schachbund und Deutsche Schachjugend daran, mehr Mädchen und Frauen für Schach zu gewinnen und langfristig im Schachsport zu halten. Dabei geht es nicht nur um einzelne Turniere, sondern um Strukturen: Wie bleiben Mädchen im Schach? Wie schaffen Vereine eine Atmosphäre, in der sie gerne weiterspielen?
NRW: Breite, Leistung und Mädchenschach
Nordrhein-Westfalen zeigt, wie groß das Schachfundament im Land ist. Besonders Schulschach ist ein wichtiger Einstieg, weil viele Mädchen dort erstmals unkompliziert ans Brett kommen. Aus einem Schulturnier kann schnell regelmäßiges Vereinstraining werden.
Südwestfalen und Sauerland: Viel Potenzial vor der eigenen Tür
Auch in Südwestfalen und im Sauerland gibt es viel Nachwuchs. Gerade deshalb lohnt es sich, Mädchen gezielt anzusprechen, sichtbar zu machen und ihnen eigene Einstiegsmöglichkeiten zu bieten. Mädchenschach muss nicht irgendwo fern am Horizont beginnen. Es kann freitags am Vereinsabend anfangen.
Lüdenscheid: Einladung ans Brett
Für Lüdenscheid heißt das: Mädchen und Frauen sind längst Teil der Schachwelt. International gewinnen junge Spielerinnen große Titel, national entstehen neue Förderstrukturen, NRW liefert starke Ergebnisse, und auch im Sauerland gibt es Nachwuchs, aus dem etwas wachsen kann.
Unser Wunsch ist klar: Wir möchten Mädchen und Frauen nicht nur am Rand begrüßen, sondern mitten im Turniersaal sehen. Am Brett zählt kein Lautstärkepegel, kein Imponiergehabe und kein Vereinsalter. Am Brett zählt der nächste gute Zug.
Komm zum Brett. Gerade dann, wenn Du bisher dachtest, Schach sei nichts für Dich.


